Richtig verhandeln (1. April 2016)
· Wolfgang Dittrich

Richtig verhandeln (1. April 2016)

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  1. Treffen Sie keinerlei Vorbereitungen. Wer sich Verhandlungsziele setzt, engt sich nur unnötig ein. Wer will schon einen Maßstab für den Erfolg seiner Verhandlungen? Auch über Argumente und mögliche Gegenargumente nachzudenken wäre absolute Zeitverschwendung. Improvisieren Sie einfach irgendwas.

  2. Gestalten Sie die Rahmenbedingungen so unangenehm wie möglich. Wählen Sie einen kalten Raum, (aber mit verbrauchter Luft) nach Möglichkeit ohne Fenster, oder platzieren Sie Ihren Verhandlungspartner im grellen Sonnenlicht. Servieren Sie niemals Getränke oder kleine Snacks.

  3. Wenn Sie das Thema der Verhandlungen nicht definieren, wird die Wahrscheinlichkeit ein Ergebnis zu erreichen gleich viel kleiner. Seien Sie so unkonkret wie möglich. Schreiben Sie auch keine Agenda. Setzen Sie stattdessen auf Spontanität.

  4. Planen Sie auf keinen Fall zu viel Zeit für das Gespräch ein. Knackige 30 Minuten sollten wirklich in jeder denkbaren Situation ausreichen.

  5. Höflichkeit und ein gepflegtes, seriöses Auftreten werden generell überbewertet. Sie wollen schließlich für Ihr Wesen geliebt werden und nicht für Ihr Äußeres. Wenn Sie keine Lust haben, dann müssen Sie Ihrem Gesprächspartner nicht in die Augen schauen oder zuhören. Stehen Sie zu Ihrem Desinteresse.

  6. Ein freundlicher Gesprächston lässt Sie schwach erscheinen. Sie wollen Ihren Willen durchsetzen. Machen Sie dies von Anfang an deutlich. Sie können auch nuscheln, um so Missverständnisse zu provozieren und sich eventuell Vorteile verschaffen, weil Ihr Gegenüber Sie nicht verstanden hat. Dies lässt sich auch sehr gut mit dem Einstreuen möglichst vieler absurder Fremdworte erreichen.

  7. Die Wünsche Ihres Verhandlungspartners bezüglich des Verhandlungsergebnisses können Sie vollkommen ignorieren. Sie wollen sich nicht einig werden, Sie wollen gewinnen. Ihr Gegenüber sollte sich Ihnen völlig unterordnen. Üben Sie sich in Selbstdarstellung und lassen Sie Ihren Verhandlungspartner keinesfalls zu Worte kommen. Gelingt es ihm doch, dann unterbrechen Sie ihn umgehend. Win-win-Situationen sind für Warmduscher! Kompromisse auch!

  8. Haben Sie die Verhandlungen innerhalb kürzester Zeit zum Stocken gebracht, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten:

  9. Möglichkeit 1: Greifen Sie zu unfairen Verhandlungsmethoden. Setzen Sie Ihren Gesprächspartner unter Druck, ignorieren Sie alle Einwände, erpressen Sie ihn, verfallen Sie in Raserei. Sie sind nicht aggressiv, Sie haben Biss.

  10. Möglichkeit 2: Werden Sie jetzt passiv. Zeigen Sie deutlich, dass Sie nicht bei der Sache sind. Ihre Aufmerksamkeitsspanne beträgt nun mal nicht mehr als 20 Minuten. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner machen, was er will. Ist Ihnen doch egal. Was läuft eigentlich im Kino?

  11. Steht fest, dass die Verhandlungen scheitern, dann verbrennen Sie unbedingt alle Brücken. Sie wollen auf keinen Fall langfristig doch wieder miteinander ins Geschäft kommen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Gesprächspartner derselben Meinung ist.

  12. Sollten Sie trotz Ihrer Bemühungen zu einem erfolgreichen Verhandlungsabschluss gelangen, dann lassen Sie in jedem Fall einige wirklich wichtige, möglichst kontroverse Punkte unbesprochen. So stehen Ihre Chancen gut, den Misserfolg beim zweiten Versuch schließlich doch herbeizuführen.